Dienstag, 10. Januar 2017

Mein Arzt schickt mich .... zur Heilpraktikerin

"Mein Arzt weiß nicht mehr weiter. Er sagte mir, ich soll zum Psychologen oder doch mal einen Heilpraktiker fragen."
Die Dame, die da vor mir sitzt, ist erkennbar verzweifelt. Konnten ihr doch die besten Fachärzte nicht helfen. Sie hat andauernd Schmerzen, in den Gelenken, aber auch Migräne und Gesichts-Neuralgien. Sie schläft schlecht. Der Blutdruck ist mal zu hoch, mal zu niedrig. Sie hat Übergewicht, ihr Atem ist hörbar, die Gesichtsfarbe blass. Die durchgemachten medizinischen Untersuchungen füllen zwar einen Ordner, haben jedoch keine eindeutige Diagnose erbracht.

Wie kann ich als Heilpraktikerin dieser Patientin nun helfen?  Zunächst einmal: Ich nehme mir viel Zeit, konzentriere mich nur auf diese Patientin, stelle gezielte Fragen und höre aufmerksam zu. Gemeinsam gehe ich mit der Patientin ihre Beschwerden durch, die zum Teil bereits seit Jahrzehnten bestehen und mit zunehmendem Alter nicht besser werden. Ich frage nach der Lebensweise der Patientin. Hat sie viel Stress? Raucht sie? Wie sieht es mit der Nahrungsaufnahme aus? Und, ganz wichtig, welche Medikamente werden aktuell eingenommen? Alle bisherigen  ärztlichen Befunde fließen in diese Anamnese ein.

In gut 90 Minuten ist eine solche Anamnese normalerweise erledigt. Hierfür werde ich der Patientin später 90 Euro in Rechnung stellen, die sie vermutlich selbst bezahlt. Doch was kann ich dieser Patientin dafür anbieten?

Ich nehme mir auch nach dieser Erstanamnese jede Menge Zeit, um einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen. Ich setze da an, wo die Patientin am meisten belastet ist. Hier im Beispiel sind es die Gelenkschmerzen. Bei Durchsicht der Anamnese und Berücksichtigung aller medizinischen Gesichtspunkte wird schnell klar:  Eine Darmsanierung ist angesagt, die Patientin muss ihr Essverhalten grundlegend ändern, und sie muss sich mehr bewegen. Probiotika, sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel, ein spezielles Bewegungstraining und schmerzlindernde und entzündungshemmende Salben können helfen, die Schmerzen zu reduzieren. Telefonisch oder bei kurzen Besuchen in der Praxis wird in regelmäßigen Abständen geklärt, ob sich Verbesserungen des Beschwerdebildes ergeben haben. Es kann vorkommen, dass die Patientin beispielsweise mit allzu strikten Ernährungsregeln nicht zurecht kommt. Dann wird die Diät angepasst.

Eins ist klar: Die Therapie beim Heilpraktiker kann Wochen, ja Monate dauern. Das kostet die Patienten Zeit und Geld. Erfolge zeigen sich oft erst nach Wochen und kommen in kleinen Schritten. Der Wille zur Umsetzung bei den Patienten ist ganz entscheidend. Nur mit Geduld und Zielstrebigkeit können Patientin und Therapeutin gemeinsam den Weg zu einem beschwerdefreien Leben beschreiten.

Die Patientin aus meinem Beispiel ist noch in Behandlung in meiner Praxis. Über Weihnachten und Neujahr konnte sie den Therapieplan nicht einhalten. Ich bin sicher, 2017 wird sie es mit meiner Unterstüzung schaffen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen